
Ein Projekt der Universität Innsbruck
Die Rolle der Eugenik im Nationalsozialismus
Einer der Grundgedanken des Nationalsozialismus war, dass nicht alle Menschen gleich viel wert seien sondern dass es eine strenge Hierarchie gäbe. Ganz oben stand der Deutsche, der Arier, während zum Beispiel Russen, Sinti und Roma (abwertend „Zigeuner“ genannt) und Juden als so genannte „Untermenschen“ verachtet wurden. Außerdem betrachteten die Nationalsozialisten Andersdenkende, Behinderte und Asoziale als Volksfeinde, die vernichtet werden müssten.
Was Darwin für die Tierwelt beobachtet hatte, nämlich dass die stärkeren Arten überleben und die schwachen aussterben, legten die Nationalsozialisten auf den Menschen um. Das bedeutet: Anstatt den Schwachen und Kranken der Gesellschaft zu helfen, unterstützten sie nur die Starken und Tüchtigen. Im Nationalsozialismus war das Leben des einzelnen Menschen wertlos, es zählte nur der Nutzen, den jemand für das Reich und das Volk erbringen konnte. Dass geistig und körperlich Behinderte Gedanken und Gefühle wie jeder Mensch haben, war für die Nationalsozialisten nicht von Bedeutung. Für sie waren Behinderte nur „unnütze Esser“, die kein Recht zu leben hatten. Ärzte, Lehrer, Theologen, Juristen, leitende Beamte und auch große Teile der Bevölkerung unterstützten diese fatalen Ideen und missachteten damit das Recht auf Leben eines jeden Menschen.
Als erste Maßnahme der Bevölkerungspolitik nannte er deswegen die „Ausmerze Erbkranker“.
Schon in den Schulen wurde den Kindern also nahe gebracht, dass bestimmte Menschen weniger wert seien als andere. Weiters wollten die Lehrer zeigen, dass das Geld für Pflegeeinrichtungen und Sozialhilfe viel besser genützt werden könnte. Die Kinder sollten glauben, dass man dringend etwas gegen die „minderwertigen“ Menschen (Behinderte, Asoziale) tun müsste, weil die Kosten für den Staat zu hoch seien und weil die „wertvollen“ Menschen sonst bald aussterben würden. So hofften die Nationalsozialisten, die Bevölkerung für ihre brutale Politik der Rassenhygiene und Eugenik zu gewinnen.
Literatur:
- Hartmann Hinterhuber, Die „Ausmerze Erbkranker“, eine „bevölkerungspolitische
Maßnahme“. Nationalsozialistische Verbrechen an psychisch Kranken
und Behinderten aus Nord- und Südtirol, in: Rolf Steininger/Sabine Pitscheider
(Hg.), Tirol und Vorarlberg in der NS-Zeit, Innsbruck/Wien/München/Bozen
2002, S. 217-229.
- Manfred Vasolk, Medizin, in: Wolfgang Benz/Hermann Graml/Hermann Weiß (Hg.), Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Stuttgart 1997, S. 235-250.


