
Ein Projekt der Universität Innsbruck
Entwicklung der Rassenhygiene bzw. Eugenik
Die Ideen der Rassenhygiene entstanden in Europa lange vor den Nationalsozialisten. Die ersten Forschungen betrafen die Tier- und Pflanzenwelt. Der Wissenschafter Charles Darwin begründete 1859 mit seinem Buch "Vom Ursprung der Arten" die Evolutionstheorie. Er beobachtete, dass sich immer der Stärkere im Kampf ums Überleben durchsetzt. Der Augustinermönch Gregor Mendel (1822 - 1884) fand wenig später heraus, dass die Vererbung anhand von Regeln abläuft. Andere Wissenschaftler übertrugen diese neuen Erkenntnisse auch auf den Menschen.
Mitte des 19. Jahrhunderts entstand das Werk "Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen" (1853-1855) des Franzosen Joseph Arthur Comte de Gobineau, der meinte, dass die Rassen ungleich wären. Er behauptete, es gäbe Völker die mehr wert wären und solche die weniger wert wären. Das deutsche Volk, die so genannten Arier, besäßen Eigenschaften wie Ehre, Freiheit, Intelligenz und Kreativität, Asiaten und Schwarze hingegen wären unterentwickelt. Die Grundsätze von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit könnten somit nicht mehr gelten. Aber auch innerhalb der einzelnen Rassen gäbe es Menschen die weniger wert wären als andere. Frauen wären nur dazu da um Kinder zu gebären, um den Nachwuchs und die Fortpflanzung zu sichern und wären somit weniger wert als die Männer.
Der Schweizer Forscher August Forel (1905) beschrieb in seinem Werk „Die sexuelle Frage“, dass der Arier durch minderwertige „Menschenrassen“ gefährdet wäre, weil die arischen Frauen zu wenige Kinder bekommen würden. Er befürchtete, dass im Krieg die kräftigen und gesunden Männer im Kampf sterben würden, während die Kranken und Krüppel, da sie ja nicht in die Schlacht zogen, überleben würden. Daraus schloss er, dass sich das Erbgut der Menschen mit der Zeit verschlechtern würde und um dies zu verhindern, müsse man Menschen mit „schlechtem Erbgut“ sterilisieren, damit sie keine Kinder bekommen könnten. Kinder, die mit schweren Missbildungen auf die Welt kämen, sollten sofort getötet werden.
Die Lehren der Rassenhygiene verfolgen das Ziel, die Eigenschaften einer Bevölkerung zu verbessern und schlechte Eigenschaften auszulöschen. Dies kann auf zwei Arten geschehen: Entweder durch die Förderung der Vermehrung „guten Erbgutes“ oder durch den Ausschluss von der Fortpflanzung von „schlechtem Erbgut“. Ab 1910 erließen manche Bundesstaaten der USA bereits Sterilisationsgesetzte, um die Fortpflanzung von „schlechtem“ Erbgut zu verhindern. Ende der 1920er beschloss man ähnliche Gesetze in Skandinavien und der Schweiz.
Verbreitung fanden die Ideen der Rassenhygiene vor allem durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914. Nach der Niederlage Österreichs und Deutschlands 1918 verstärkte sich die Meinung, der Staat könne es sich aufgrund des Lebensmittelmangels nicht mehr leisten, Kranke, Asoziale und behinderte Menschen durchzufüttern und man war davon überzeugt, dass man diesen Menschen die Fortpflanzung mittels Sterilisation verbieten müsse.
1921 erschien das wichtigste Werk über die Rassenhygiene, „Menschliche Auslese und Rassenhygiene“ von Fritz Lenz. Darin wird der Unterschied der einzelnen Rassen anhand der Schädel, Körpergrößen und Haarfarben erklärt. Auch behauptete Lenz, dass Schwarze keine großen Leistungen erbringen könnten und es nur so viele Ärzte unter den Juden gäbe, weil die Juden keinen Schmerz ertragen würden. Es wurden Vorurteile über Kulturen und Menschen aufgebaut. Als Hitler am 30. Jänner 1933 in Deutschland die Macht übernahm, waren die Vorstellungen von der Überlegenheit der Arier und der Minderwertigkeit bestimmter Menschen bereits weit verbreitet.
Literatur:
- Ernst Klee, Deutsche Medizin im Dritten Reich, Karrieren vor und nach 1945, Frankfurt am Main 2001.
- Hans-Georg Hofer/ Lutz Sauerteig, Ideengeschichtliche Voraussetzungen nationalsozialistischer Gesundheitspolitik: Ein Überblick, in: Bernd Grün/Hans-Georg Hofer/Karl-Heinz Leven (Hg.), Medizin und Nationalsozialismus, Die Freiburger Medizinische Fakultät und das Klinikum in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“ (Medizingeschichte im Kontext Bd. 10), Frankfurt am Main u.a. 2002.
- Manfred Vasolk, Medizin, in: Wolfgang Benz/Hermann Graml/Hermann Weiß (Hg.), Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Stuttgart 1997, S. 235-250.

